Geschichte

Ich bin nach Nigeria gefahren, nach einer Konferenz in Chicago, wo es um Müttergesundheit, Familienplanung und Kindersterblichkeit gegangen ist. diese Konferenz wurde von Rotary und der UNO gemeinsam organisiert. Auf Anraten von Vertretern, der WHO bei dieser Konferenz wurde Rotary aufgefordert, ein sogenannte Fistel Operationsprojekt in Afrika zu starten. Geburtshilfliche Fistelbildung entstehen besonders dann, wenn junge Schwangere (10-14), aufgrund der Tatsache das sie noch kein vollentwickeltes knöchernes Becken haben, einen Geburtsstillstand erleiden und Gewebeteile des Geburtskanals absterben. Diese Verletzungen heilen nicht aus, sondern es bilden sich Verbindungen zwischen Scheide und Blase und Base und Enddarm. Diese jungen Frauen verbreiten einen üblen Geruch und werden aus ihren dörflichen Gemeinschaften verstoßen, weil in der traditionellen Überlieferung und Volksmeinung diese Fistelbildung als Strafe für ein unehrenhaftes Leben vor der Ehe angesehen werden. Wir haben nach Evaluierung der ersten Daten, feststellen müssen, dass in erster Linie im muslimisch geprägten Nordnigeria besonders viele junge Frauen mit Fisteln vegetieren. Bei Konzentration aller Kräfte konnten maximal 1600 Fisteloperationen jährlich durchgeführt werden, wir waren allerdings mit 6000 Neuerkrankungen pro Jahr konfrontiert. Dies führte zu der Überlegung, dass nicht nur die operative Sanierung, sondern ausschließlich die Prävention verhindern kann, dass junge Frauen an diesen fürchterlichen stigmatisierenden Erkrankungen die sie lebenslänglich begleiten würden, leiden. Dies war die Geburtsstunde des Projekts Improvement of Maternal Health in Northern Nigeria. Nigeria wurde gewählt, weil dieses Land nicht nur eine sehr hohe Rate an Geburtshilflichen Fisteln aufweist, sondern auch weil Nigeria eines der Länder mit der höchsten Müttersterblichkeit ist. Außerdem ist Nigeria eines der Länder mit der höchsten Bevölkerungswachstumsrate weltweit.

Begonnen haben wir mit Ausstattung ausgewählter Krankenhäuser, Training des Gesundheitspersonals, Produktion von Radiosendungen/ Informationsradiosendungen und Etablierung eines Qualitätsmanagement. Dieser Comprehensive Approach hat dazu geführt, dass die Müttersterblichkeit in den zehn ausgewählten Krankenhäusern in Kano und Kaduna (Nordnigeria) um 60% gesenkt werden konnte. Aufgrund des Erfolges, wurde in einem Scaling-up Projekt im christlich dominierten Südostnigeria ein gleich gestaltetes Projekt gestartet. Kick-off dieses Projekt war 2010 in Amurri. Erfreulicherweise konnte nach drei Jahren und Abschluss des Projektes auch hier nachgewiesen werden, dass eine dramatische Senkung der Müttersterblichkeit und der Neugeborenen Sterblichkeit erfolgte. Parallel zu allen Müttergesundheitsprojekten wurde sehr viel Zeit in Aufklärungsarbeit, in Informationsveranstaltungen und Trainings des Gesundheitspersonals investiert, um zu ermöglichen, dass Frauen über Methoden und Notwendigkeit der Familienplanung informiert werden. Dieses Child-„spacing“ bewirkt nicht nur, dass die total fertility rate (Anzahl der Geburten pro geschlechtsreifer Frau) dramatisch reduziert werden konnte, sondern auch durch die Tatsache das zwischen den einzelnen Geburten Mütter mehr Zeit haben sich körperlich zu erholen, auch die gesundheitliche Situation der Frauen dadurch verbessert werden konnte. Wir nannten diese Familienplanungsaktionen „Responsible Parenthood“. Es wurden den Frauen auch kostenlos Empfängnisverhütungsmethoden angeboten und das Gesundheitspersonal in der Verwendung derselben geschult. – Peter Neuner